Donnerstag, 3. Februar 2011

Als ich noch ein ausländischer Mitbürger war...

Und wie alles anfing...

Es waren wirklich tolle Zeiten damals, wir waren gerade gegen den Nato-Doppelbeschluss (vulgo: Doppelschieß) grandios gescheitert und fingen nahtlos damit an, dem türkischen Gemüsehändler um die Ecke zum kommunalen Wahlrecht zu verhelfen. Wir hatten ihn zwar nie nach seiner Meinung gefragt aber das war auch nicht so wichtig. Er verstand wirklich nicht viel davon und als ich ihn mal danach fragte was er denn davon halte, sagte er nur, dass er noch nie gewählt hätte aber auch nicht wusste was oder wen er hätte wählen können. Na und, wir waren ja schließlich gegen „Ausländerfeindlichkeit“ und mussten „was dagegen“ unternehmen. Wir sagten nie „für irgendetwas“ sondern immer „gegen etwas“, das klang einfach rebellischer. Gegen etwas lies uns ruhig einschlafen.

Wie schön es war, mit Buttons wie „Mein Freund ist Türke“ (der helle Wahnsinn, was für eine revolutionäre Einstellung!) rumzulaufen und ab und zu an Samstagen, Infotische zu organisieren. Die einzigen wahren Interessenten dieser Infotische waren einige Altnazis aus der Nachbarschaft (welche den Rest ihres minimalen Verstands längst versoffen hatten) und der Ladenbesitzer, der uns ermahnte: „Aber Ladeneingang freilassen“.

Am kuscheligsten waren aber immer die Sitzungen der Bürgerinitiative mit Namen wie „Bürger gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit“. Es waren wirklich gesellige Abende. Die Tagesordnungspunke waren ganz schnell abgehackt und der nächste Infotisch am kommenden Samstag beschlossen, da gingen wir schon zum „gemütlichen Teil“ über. Die Welt war schön und unsere Gerechtigkeit stellte die vierte Dimension dar. Alles war nicht so kompliziert wie heute, wir brauchten durchschnittlich ungefähr drei Minuten um die Welt zu erklären. Die Bösen, die Guten, die Armen, die Gescheiten und die Gerechten. Die letzten zwei Kategorien durften wir für uns beanspruchen. Es war damals so einfach dem Bund der Gerechten anzugehören. Alles hatte seinen festen Platz in unserer Welt.

Einige Türken waren auch dabei. Ja, tatsächlich. Ich zum Beispiel. Es war sogar sehr hilfreich ein „Nichtdeutscher“ zu sein, quasi ein Privileg. Wir Türken waren fleischgewordene „internationale Solidarität“ für unsere inländischen Freunde. Unsere blauen türkischen Pässe hatten zwar an jedem Grenzübergang dieser Welt, egal zu welchem Land, immer Ärger verursacht, jedoch waren sie hier auch immer ein Garant dafür, dass wir in Vorstände von irgendwelchen Bürgerinitiativen ein gemütliches Plätzchen bekamen. Wir mussten nicht viel machen, ein Kurzbericht über unsere Benachteiligungen im Alltag reichte für die nächsten drei Monate vollkommen aus. Wir wurden bewundert: „Seht, ein Ausländer aber gescheit, wie süß“. Die Türkinnen waren noch besser dran: „Türkin, Frau und selbstbewusst“ (Wooooow !) Sie waren noch begehrter als der männliche Teil der „Ausländer“. Diese Bewunderung hätte theoretisch wohl nur noch von einer lesbischen Jüdin aus Kurdistan übertroffen werden können.

Wir waren eifrig dabei die „Bundesrepublik“ Deutschland oder aber mindestens die Welt zu verbessern; neu zu erfinden.

Es kamen manchmal (öfter ungewollt) doch Diskussionen auf. Meine inländischen Freunde sprachen gelegentlich von meiner „Heimat“ und meinten eigentlich die Türkei. Ich sagte mal in meiner unermesslichen Naivität darauf hin: „ich lebe ja hier in Deutschland, ist Deutschland nicht meine Heimat? Oder zumindest eine zweite Heimat?“ Die Reaktionen waren unerwartet heftig und unmittelbar: „Nein, das ist aus mehreren Gründen nicht möglich. Erstens: du und deine Familie wurdet als Gastarbeiter aus Profitgründen von einigen imperialistischen Monopolisten nach Deutschland geholt. Zweitens: Deutschland als Heimat; das ist eine reaktionäre Verklärung“. Ich bekam sofort einen Schnellkurs über den Begriff „Heimat“. Ich wusste innerhalb der nächsten Viertelstunde fast alles über das Heimatverständnis in der deutschen Romantik (Heine wurde irgendwie geschont), Heimatpossen der Nazis und Heimatfilme in den 50er Jahren mit abschreckenden Beispielen wie: „Die Fischerin vom Bodensee“ oder „Ewig rauschen die Wälder“. Ich begriff irgendwann mal eine neue Heimat zu haben war nicht so einfach. Es tauchte aber dann und wann, wenn ich auf der Autobahn von einer Reise zurück fuhr, der Name meiner Stadt in dem ich wohnte auf. In weißen Großbuchstaben auf blauem Hintergrund der Autobahnschilder, es wurde mir warm ums Herz und ich dachte in mich hinein „noch 250 Kilometer bis Heimat“. Ich musste aber in der gleichen Sekunde zusammenzucken und sofort an „die Fischerin vom Bodensee“ denken. Ich hatte mich gerade bei dem reaktionären Gedankengut ertappt. Nebenbei bemerkt, ich habe irgendwann mal „die Fischerin von Bodensee“ im Fernsehen gesehen und verstanden, warum sie mich damit abschrecken wollten. Mein Weg zu meiner neuen Heimat führte durch das ewige Rauschen der Wälder und wurde durch die Fischerin barrikadiert. Sie wollte nicht weichen und ich hatte – noch – keine Heimat. Irgendwann verstand ich, dass meine Freunde es als eine Art Schicksalsschlag betrachteten „Deutsche zu sein“.

Wir fanden es schön bzw. exotisch (das durfte man damals nicht so einfach sagen) so viele Fremdsprachen, Kulturen (etwas weit hergeholt, im wahrsten Sinne des Wortes) um uns zu haben und dachten: „ja, das ist es. So ist es wunderbar. Alle Menschen leben friedlich miteinander.“ Nebeneinander wäre der richtige Ausdruck gewesen, was soll’s. Alles sollte so bleiben, der Türke blieb ein Ausländer. (Wir sind alle Ausländer!) Niemand brauchte sich verändern aber alle sollten irgendwie zusammen leben. Das war Integration. Es entstand ein bunter Flickenteppich in unseren Köpfen. Wir nannten es einfach multikulturelle Gesellschaft und Multikulti war geboren.

Es lebe MultiKulti oder das multikulturelle Jobwunder...
Dieses Phänomen zeigte sich in erste Linie in der unendlichen Breite (nicht tief, nur breit) unserer Toleranz. Eigentlich alles, was wir nicht deuten oder nicht verstehen konnten, ließ sich darunter verstecken. Aber auch die Dinge, die wir gar nicht so genau wissen wollten. Anhand dieses neuen gesellschaftlichen Konstrukts konnte man, die Funktionsweise von schwarzen Löchern in Weltall demonstrieren. MultiKulti verschluckte was gerade in der Nähe war. Alle Themen, Gedanken ja sogar die Sexualität verschwanden darin. Die Zeit wurde innerhalb des Phänomens extrem langsam und alle Entwicklungen kamen zum Stillstand. Einstein hatte irgendwie Recht.

Das MultiKulti hatte wirklich ganz viele tolle Eigenschaften. Es war aber vor allem sehr praktisch. Unsere Vorstellung von Integration katapultierte sich in eine andere Dimension. Plötzlich war alles möglich. Die „Kulturen“ brauchen nur einfach weiter existieren. Es war uns egal was sich unter diesen Kulturen verbarg. Ob türkische Mädchen mit ihren Klassenkameraden mitturnen durften oder nicht. Die Ehrenmorde durfte man natürlich nicht an große Glocke hängen. Die gekauften Bräute, arrangierte Ehen, Hasspredigten wurden dezent übersehen und man verließ sich auf die Selbstheilungskräfte des langjährigen Zusammenlebens.

Man sollte hier auch die größte positive gesellschaftliche Errungenschaft der MultiKulti-Bewegung erwähnen. Denn es war eine bombastische Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Viele haben aus MultiKulti richtige Berufe entwickelt. Jedes Dorf musste einen Ausländerbeauftragten haben. Es wimmelte plötzlich überall von „Experten“. Man konnte zwar nie genau sagen, wo all diese Ausländerbeauftragte ihre „Fachkenntnisse“ erworben hatten, aber es gab sie. Es gab sogar ein „Amt für Multikulturelle Angelegenheiten“. Nicht nur der Staat oder die Kommunen, sondern jede größere Organisation musste mindestens eine „MultiKulti-Experten“ nachweisen.

Und die Nichtdeutschen wollten natürlich bei dieser Arbeitsplatzbeschaffungsorgie nicht leer ausgehen. Es entstanden richtige Strukturen an MultiKulti-Arbeit.

Oben stand meistens als „Ausländerbeauftragter“ ein Inländer, mit einer „verdienter Parteisoldat“ Biografie. Ich hatte mir damals nicht allzu große Gedanken darüber gemacht, warum ausgerechnet diese Leute, diese Jobs gemacht haben. Doch dies möchte ich nachholen und über mögliche Beweggründe nachdenken:

a) Man konnte sie sonst nirgendwo unterbringen, weil sie keine besonderen Kenntnisse in Wirtschaft, Politik, Technik usw. besaßen. Aber aus irgendeinem „parteiinternen“ Grund wollte man ihnen doch zu einem Posten verhelfen. (Gute Freunde aus Jugendzeiten?)

b) Sie wurden in die unendlichen Weiten des MultiKulti strafversetzt. (Das MultiKulti war also eine Art geistige Wüste.)

c) Sie haben sich wirklich dort beworben. (Nachdem Motto „Mit den paar Türken werde ich schon fertig werden.“)

Unter der oben erwähnten lukrativen „Beauftragter-Ebene“ waren Türken als „Fußsoldaten“ der multikulturellen Arbeit sehr gefragt. Jeder Türke der Betriebswirtschaft oder Soziologie studiert hatte und einigermaßen gut deutsch sprechen konnte war ein geeigneter Kandidat für einen Arbeitsplatz an der MultiKulti-Front. Wenn man dann auch noch das richtige Parteibuch hatte, kam das beinahe einem Doktortitel gleich.

Einige wenige Ausnahmen, nämlich die, die wirklich Kompetenz und den richtigen Job dazu hatten, sollen mir verzeihen wenn sie hier nicht erwähnt werden. Die Statistiker würden euren Anteil als „unbedeutend“ einstufen.

Die Arbeit an der Front war überall gleich. Es gab eine Räumlichkeit, die von der Kommune, nach heroischem Kampf des Ausländerbeauftragten, zur Verfügung gestellt wurde. Diese (Räumlichkeit) nannte man dann z.B. „deutsch-türkisches-Freundschaftszentrum“ oder „Haus der multikulturelle Begegnungen“. Diese Arbeitsplätze waren fast der Gipfel der MultiKulti-Bewegung. Man durfte sich für arme, ahnungslose, unterdrückte Türken einsetzen, sich wohlfühlen und damit seinen Lebensunterhalt verdienen. Eine Art Robin Hood als Angestellter. Es gab keinen Mangel an Aufgaben. Sinnfreie kulturelle Aktivitäten organisieren (Tag der ausländischen Mitbürger) oder türkischen Kinder anstatt der dringend gebrauchten Deutschkenntnisse, muttersprachlich unterrichten. Eine weitere Glanzleistung waren folkloristische Aktivitäten. Meistens in Form einer Tanz- und Gesangtruppe. Niemand fragte nach dem Sinn und Zweck solcher Veranstaltungen. Wozu waren sie gut?

Ich war eines Tages mit einem Bekannten aus Istanbul, der damals in der Türkei im Auftrag des Kultusministeriums mit Traditionsforschung befasst war, in so einer MultiKulti-Einrichtung. Er wollte aus beruflichem Interesse, den Wandel der Traditionen in Ausland unbedingt miterleben.

Es war wieder einer der üblichen Veranstaltungen. Alle die sich einbildeten singen zu können, bildeten die Gesangstruppe, die Anderen waren für folkloristische Tänze zuständig. Er wollte aber zur meine Überraschung nach einer halben Stunde die Veranstaltung schon verlassen. Seine Gesichtsfarbe änderte sich während der Vorführungen von anfänglichen freudigen leicht rosa zur grün-blau und er winkte mich raus. Er sagte als wir draußen waren, „er wolle hier nicht aus patriotischen Gründen zur Mörder werden“. Er war ganz außer sich. „Das ist eine Fälschung und Verleumdung der kulturellen Traditionen. Eine Ansammlung der Ignoranten und Kulturbanausen“. Er war gar nicht zur bremsen. Es waren Tänze die er nirgendwo gesehen hatte. Die Lieder waren alle falsch angekündigt und falsch gesungen und ohne jeglichen kulturellen Hintergrund. Ich glaube, er schämte sich vor den anwesenden Deutschen im Namen Kultur der Türkei zu sprechen und verlangte von mir, eine sofortige Richtigstellung bei den deutschen Freunden, die mit uns rausgegangen waren. Es war ihm sehr ernst dabei, er wollte unbedingt den zuständigen Kultur-Türke wegen Verrat und Verleumdung der kulturellen Werte der Türkei zur Rede stellen. Ich konnte ihn jedoch etwas beruhigen und wir einigten uns darauf, dass es hier nicht um die Kultur der Türkei handelte, sondern um die Kultur der Türken in Deutschland. Das war ja was anderes. Er war aber nicht wirklich davon überzeugt und wollte mir klarmachen, dass eine Migrationkultur niemals eine Abbildung der ursprüngliche Kultur sein kann. Und so bezeichnete er diese Art der Darbietungen, als eine Art „schlechte Karikatur“. Die Migration würde eine eigene Kultur als Synthese aus Ursprungs- und Migrationsland hervorbringen. Um diese Ausführungen zu unterstützen, gab er Beispiele aus der Migrationsgeschichte der USA usw. Er sagte, er vermisse auch die deutschen Elemente in dieser Migrationskultur, also war es nicht mal die Kultur der Migranten. Er war mehr als enttäuscht (auch von mir, glaube ich). Wie konnte man so was zulassen? Ich dachte mir, er ist eben nicht soweit in seiner geistigen Entwicklung und hat deshalb kein Verständnis für unser MultiKulti.

Es blieb nicht nur bei Jobs in kommunalen Bereich. Es entstanden Institute, ob mit oder ohne lukrativen Forschungsaufträgen, und diese produzierten irgendwelche Statistiken sowie Thesenpapiere die eigentlich niemand lesen wollte.

Der freiberufliche Sektor war auch im Aufwind. Einige haben sich als Autor in der Jammerliteratur verdient gemacht. Hauptthema dieser Literatur war die „Diskriminierung“ der Ausländer (Ein Ausländer war immer ein Türke). Die bösen, groben und ahnungslosen Deutschen diskriminieren liebe, nette, naive Türken. Diese Autoren waren immer auf der Seite der Schwachen und warfen sich schützend vor die Schwachen bzw. Türken. Ich möchte heute immer noch aufstehen und „Bravo“ rufen, was hätten wir ohne diese Bösdeutsch-Guttürkisch-Literatur gemacht? Es war der Gipfel der intelligenten Sozialkritik und schonungslose Analytik. Manche Autoren sind sogar noch weitergegangen und haben aus der nicht Beherrschung einer Sprache (weder deutsch noch türkisch), eine Kunstsprache (mit insgesamt 150 Wörter) geschaffen. Diese wurde nicht nur in Büchern verarbeitet, sondern daraus wurde sogar eine Berufung gemacht. Diese Autoren sind (immer noch) sehr gefragte Talkshowgäste und werden als wahre Autoritäten zu allen möglichen Themen befragt.

Die religiöse Szene wollte sich natürlich Angesicht der unerwarteten Freiräume durch MultiKulti, mit neuen Jobs bedanken. Es gab ab sofort überall „Gebetsräume“. Diese Gebetsräume (später auch Moscheen) hatten von dem dazu gehörigen Verein, bezahlte Vorbeter und sonstiges Personal. Warum diese religiöse Vereine so zahlreich waren und was sie genau predigten? Das wusste niemand so genau. Wir wollten es auch nicht wissen. Diese neue Arbeitsbeschaffungsmaßnahme im Dienstleistungsbereich Religion kam zu seinem Höhepunkt durch die Schaffung eines Kalifatpostens in Köln.

Diese Arbeitsplätze, die aus einem bunten Nebeneinander entstanden waren, erwiesen sich später als sehr widerstandsfähig und krisensicher. Bis auf einige Ausnahmen wie das Kalifat von Köln (es wurde uns zu „bunt“), existieren alle immer noch. Es entstanden wirklich zigtausende Arbeitsplätze.


Das MultiKulti stirbt ...

Das MultiKulti ist tot. Der Tod kam nicht überraschend. Das MultiKulti begann eine Art Selbstmord. Es war Mörder und Opfer zugleich. Man kann sogar ziemlich genau die Uhrzeit, Ort und Todesursache nennen. Es war am 2. November 2004 in Amsterdam, Linnaeusstraat gegen 9 Uhr. Erschossen und Kehle durchgeschnitten. Der Mörder war damals 26 Jahre alte Amsterdamer Marokkaner Mohammed Bouyeri, der in den Niederlanden geboren wurde und aufgewachsen ist. Er besaß die doppelte Staatsbürgerschaft von Marokko und Niederlande. Er hatte keine Sprachprobleme, sprach gut niederländisch und gut integriert. Das Opfer war ein Berufsprovokateur mit Namens Theo van Gogh. Er war Tabubruch, Geschmack- und Anstandslosigkeit in Person. Er war aber auch ein Grenzstein (nicht ein Luxus wie viele meinten), die wir uns in Sachen Meinungsfreiheit geleistet haben.

Erst war totale Funkstille. Viele MultiKulti-Anhänger wussten nicht, was sie dazu sagen sollten. Dann kamen übliche „Einzeltäter-Erklärungen“. Dann lief eine Reportage über islamische Gemeindemitglieder in Amsterdam im Fernsehen. Die Muslime die dort gezeigt wurden zeigten mehr oder weniger Verständnis für diesen feigen Mord. Der Musterknabe des MultiKulti, die Niederlanden waren am Ende. Es kam zu rassistischen Übergriffen. Es blieb –so weit ich weiß- nur bei Sachbeschädigungen an Moscheen. Die MultiKulti – Szene bei uns hatte Angst, die Kameras würden mit gleicher Intensität nach Deutschland schwenken und gleiche Reportagen bei uns machen. Es blieb –Gott sei Dank?- bis auf einige amateurhafte Versuche, aus. Dieser (Selbst-) Mord erwischte die Szene, gerade bei Legitimationsbeschaffungsversuchen, für eine Gesellschaft des Nebeneinanders.

Die Parallelgesellschaft als unsere Erbschaft aus MultiKulti-Zeiten lastete auf unseren Schultern. Dritte Generation war viel fremder als erste Generation. Die Kriminalitätsrate unter türkischen Jugendlichen war noch nie so hoch. Deren Sprach- und Landeskenntnisse waren geringer als einem Tourist aus Fernost der gerade zu Besuch war. Der politische Islam war inzwischen hoffähig und erzwang uns die Kopftuchdebatte. Die Hassprediger machten sich nicht mal die Mühe, ihre Absichten wie üblich hinter Deckmäntelchen „Religionsfreiheit“ zu verstecken. Die Anzahl der nationalistischen, religiösen Vereinigungen und im Folge dessen auch die Anzahl der Anhänger stieg in ein noch nie da gewesenes Ausmaß.

Was haben wir gemacht all die Jahre? Wo waren unsere bunten Bilder von fröhlichem Nebeneinander? Was ist aus unseren Träumen geworden oder noch wichtiger, wo waren diese Leute die von Beruf „Türke“ bzw. „Ausländer“ waren? Was sagten sie dazu? Wer übernimmt die Verantwortung für die verschenkten Generationen?

Jeder Normaldenkende hätte erwartet, dass eine kritische bzw. selbstkritische Debatte in Gang kommt. Nein, bei uns nicht. Man tat so, es wäre überhaupt nichts geschehen und will nahtlos an die Tagesordnung übergehen. Der Riss der durch die Gesellschaft (damit sind nicht unbedingt Deutsche und Nichtdeutsche gemeint) ging, wurde bewusst ignoriert.

Das wird aber nicht so weitergehen. Das Leben hat sich für die Wahrheit und für eine weitere Chance des gesellschaftlichen Konsenses entschieden. Neue Lösungen müssen dringend her. Althergebrachtes kann uns nicht mehr helfen.

Und all das nach über 50 Jahren Migration in Deutschland.

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