Samstag, 27. November 2010

Ein Mord und türkischstämmige „Intelligenz“ in Deutschland


Der unten stehende Text stammt eigentlich aus dem Jahre 2006, wir wollten ihn hier trotzdem noch mal veröffentlichen, da der Autor - der selbst aus der Türkei stammt und Türke ist - denkt, das der demokratische Entwicklungsstand der "aufgeklärten Türken" in Deutschland dargestellt wird. Diese Artikel blieb damals die einzige Reaktion auf diese Reportage mit Herrn Professor. Keine Verfassungsrechtler, keine Journalisten, keine Politiker beschwerten sich, im Gegenteil, er hat mit diesem Interview von Migranten und Deutschen viel Beifall erhalten. Er ist aber später von seinen Ämter "gegangen worden" weil, er "Islamophobie und Fremdenfeindlichkeit" mit dem Judenpogrom der Nazis verglichen hat.
Ich wollte mir eigentlich nur einen gemütlichen Samstagnachmittag machen. Das heißt Kaffee trinken und Zeitungen lesen. Aber was ich auch tat, es wurde nicht so gemütlich wie ich es mir wünschte. Die ersten drei Seiten von der Samstagausgabe „DIE WELT“ bestanden aus aktuellen Nachrichten mit der üblichen Qualität. Dann kam Seite 4 und es war endgültig vorbei mit der Gemütlichkeit;

Titel, „Eine Schande für alle Türken“. Der Untertitel ist schon konkreter; „Leiter des Zentrums für Türkeistudien fordert Ausweisung der Ehrenmord-Familie“.

Es geht um den Ehrenmordprozess. Hatun Sürücü, eine alleinerziehende Mutter wurde von ihrem jüngsten Bruder ermordet und von einem Gericht zur Haftstrafe verurteilt. Diese feigen Morde als „Ehrenmord“ zu bezeichnen ist schon Jenseits der Ironie. Eine wehrlose Frau aus nächster Nähe einfach so zu erschießen, egal aus welchen Grund auch immer, ist und bleibt ein Mord  der nur durch Ehrlosen begangen werden kann. Dieser Mord ist nicht mal im Krieg erlaubt. Dieses Geschehen wird uns noch weiter beschäftigen. Sie wollte einfach wie jede andere junge Frau leben. Sie hoffte auf den Schutz dieser Gesellschaft bzw. vertraute auf unsere gemeinsamen Werte. Wir alle haben versagt.

Dies ist aber nicht mein heutiges Anliegen. Es geht um etwas anderes. Es geht um das oben erwähnte Interview mit dem türkischstämmiger Herrn Professor, besser gesagt um seine „wohlwollende“ Äußerungen in Sachen Rechtstaatlichkeit und seine „aufklärenden“ Inhalte. Es handelt sich hier um nicht irgendeinen türkischstämmigen Bürger, sondern um eine der bedeutenderer Person der türkischen Gemeinde in Deutschland. Er wird gerne als Vorzeigetürke von Medien interviewt und von der Politik nach Rat gefragt. Ich bin fest davon überzeugt, seine Haltung auch in diese Frage gewährt uns einen tiefen Einblick über den Zustand der Türken hier im Lande.

Ja, er verurteilt diesen feigen Mord, aufrichtig und mit echter Wut im Bauch. Ich habe keine Zweifel an seinen Wörtern. Dennoch, lohnt es sich, genau zu lesen was er zu sagen hat;

Seine Antwort auf die Frage, welche Reaktionen dieser Ehrenmord bei den türkischen Einwanderern ausgelöst hat; „Bei den meisten ist Entsetzen zu spüren. Das Zentrum für Türkeistudien ruft die Moscheen und türkische Selbstorganisationen dazu auf, die Ehrenmorde zu ächten.“

Ein spürbares Entsetzen? Wie sieht das aus? Woran macht er das fest? Wo bleiben die Demonstranten, wo die Talkshowteilnehmer, die gegen die Mohammed-Karikaturen zu Felde gezogen sind? Wo sind diejenigen, die ihren Unmut in öffentlichen Gebeten Kund tun? Habt ihr sie auch gesehen? Nein? Seltsam. Warum muss man die Moscheen und türkische Gemeinden erst zu Ächtung der Morde aufrufen? Was läuft da schief?

Er antwortet weiter und gibt sich als Islamexperte;
Gewalt gegen Frauen, das gehört weder zum Islam noch zur modernen türkischen Kultur.“

Ganz sicher Herr Professor? Lassen Sie uns im Koran nachlesen;

„Sure 4 /15. Und wenn welche von euren Frauen Unziemliches begehen, dann ruft vier von euch als Zeugen gegen sie auf; bezeugen sie es, dann schließet sie in die Häuser ein, bis der Tod sie ereilt oder Allah ihnen einen Ausweg eröffnet.“

Was wollen Sie den Mörder aus islamischer Sicht vorwerfen? Dass er seine Schwester nicht auf offener Straße erschießen darf aber dafür nach Bezeugung des unziemlichen Begehens durch vier Gleichgesinnte, sie entführen und als eine Art private Geisel im Keller einsperren darf und dann wartet bis sie stirbt? Hätten die Muslime (auch der Herr Professor) dann gesagt: „Bravo, mein Junge, du hast wirklich korrekt nach dem Koran gehandelt. Wir gratulieren dir, zur deinem guten islamischen Benehmen bzw. deiner Geiselnahme.“ Wer bestimmt was „unziemliches Begehen“ ist? Theoretisch jeder Gläubiger. Wie, also in welcher Form, soll der Tod sie dann „ereilen“? Was ist mit Männern, die „Unziemliches begehen“? Die kann es anscheinend nicht geben. Der Herr Professor muss in seinen umfangreichen Studien des Islams diesen Surenabschnitt leider übersehen haben. Wer ist schon fehlerfrei?

Nein, es wäre nicht richtig, diesen Mord vollständig mit einem islamischen Hintergrund zu begründen. Es ist die mittelalterliche Rückständigkeit die auch durch den Islam bzw. durch das islamische Rechtverständnis (Scharia) begünstigt wird. 

Wie in einem gut gemachten Werbespot für die WM 2006 in Deutschland, in dem es um Fußball geht, ist jeder Deutsche mindestens genau so qualifiziert wie ein Fußballtrainer. So verhält es sich auch bei türkischen Intellektuellen mit dem Islam, jeder kann sofort, aus dem Stand sagen, was nach dem Islam richtig oder falsch ist. Auch wenn er nicht einmal den Koran in seiner Muttersprache gelesen hat.

Was bezweckt er mit dieser Aussage? Warum will er ein Islambild vermitteln, die es gar nicht gibt? Glaubt er vielleicht eine „bella Figura“ im Namen des Islams in der deutschen Öffentlichkeit schaffen zu müssen? Oder will er seine Landsleute durch eine kleine Notlüge zum Besseren erziehen? Die wahrscheinlichste Erklärung für sein Verhalten wäre; er artikuliert hier sein Wunschdenken. Oder ist es möglich, dass er sich mit dem Islam und dem Koran überhaupt nicht auskennt? Ich weiß es nicht. Aber, dieses Verhalten kommt mir irgendwie bekannt vor. Lasst uns alle elementare Probleme um des (Schein-)Friedenswillen unter den Teppich kehren.

So verhalten sich die meisten Menschen (mit Ausnahme von Exoten, bei denen es sich nicht lohnt, diese statistisch zu erfassen) aus der Türkei, die von Berufswegen aus denken müssen (um das Wort „Intellektuelle“ zu vermeiden), wenn es um Mächtige, Religion und Herkunftsnationalität geht. Sie wollen gleichzeitig ein guter „moderner“ Gläubiger, ein türkischer Nationalist und aber auch ein Aufklärer sein. Da ist es doch kein Wunder, dass zum Schluss aus allen Wunschidentitäten nichts wird.

Und was die moderne Türkei angeht, revidiert er selber in folgenden Satz, „Man muss aber sagen, dass die Türkei Ehrenmorde bis 2004 als Kavaliersdelikte behandelt hat..“ Dem Herrn Professor ist mit Sicherheit entfallen, dass die größte Tageszeitung in der Türkei kürzlich eine große Kampagne gegen „Gewalt gegen Frauen“ gestartet hat. Der Journalist der Fragen stellt, will wissen ob das Urteil vom Gericht gerecht sei. Der Vorzeigetürke antwortet zuerst wie jede andere Mensch antworten würde, einfach emotional: Er findet das Strafmaß zu mild. Was sind ein paar Jahre Freiheitsentzug gegen ein Menschenleben? So empfinden wir fast alle. Es ist menschlich.

Es wäre auch nachvollziehbar gewesen, wenn er in diesem Punkt aufgehört hätte. Nein, er belässt es nicht dabei, geht weiter und belehrt kurzer Hand die Justiz, wie man so was macht: „Ich hätte den jüngeren Bruder härter bestraft und bei den beiden älteren nachgewiesen, dass sie daran beteiligt gewesen sind... Man müsste die ganze Familie bestrafen.“

Was will uns der Autor mit diesem Lehrsatz in Sachen Gerichtsbarkeit sagen? Dass die zuständige Justiz unfähig war, irgendetwas nachzuweisen? Oder bietet sich der Autor als Hobby-Richter an, der einfach „kurzen Prozess“ macht? Oder aber ist es ein Appell, die in dem Grundgesetz festgeschriebenen Rechte, Freiheiten und Prinzipien der Urteilfindung, in diesem Fall kurz außer Kraft zu setzen um doch ein Urteil (Sippenhaft?) gegen die ganze Familie zu ermöglichen? Der Journalist, der das Interview führt, versucht – etwas bzw. zu zaghaft – mit dem Hinweis, dass im deutschen Strafrecht nur nach Beweislage verurteilt wird, etwas entgegenzuhalten. Doch der Herr Professor ist gar nicht zu bremsen. Er schlägt vor, wahrscheinlich um doch die Mittäterschaft der beiden Brüder nachzuweisen: „Da muss man mit der Türkei eng zusammenarbeiten und Gutachter bestellen.“  Was sollen diese türkischen Gutachter hier tun? Wie können uns diese „Gutachter“ bei der Wahrheitsfindung helfen? Welche Methoden stehen diese Gutachter aus der Türkei zur Verfügung, die einem deutschen Gericht anscheinend nicht zur Verfügung stehen? Meiner Meinung nach werden diese Gutachter schon zu Genüge in der Türkei gebraucht.

Der Herr Professor nimmt sich nach den Prinzipien der Gerichtsbarkeit, das Staatsbürger-schaftsrecht vor: „In jedem Fall müssen solche Leute ihre deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt bekommen und ausgewiesen werden.“ Ich bin mir fast sicher, dass ich irgendwann mal gelesen habe dass „Kein Deutscher gegen seine Willen ausgebürgert werden darf“. (Wenn ich mich nicht täusche, Artikel 16 des Grundgesetzes) Dieser Satz spiegelt besonders die deutsche Erfahrung mit faschistischen Diktaturen wieder. Die Mütter und Väter des Grundgesetzes haben dies nicht aus Jux und Tollerei so nieder geschrieben. Sie wollten ganz bewusst dem Staat dieses Schwert, gegen seine Bürger aus der Hand nehmen. Dieser Grundsatz ist einer der wichtigsten Säulen des Staatsbürgschaftsrechts und ein Teil des Fundaments unserer aufgeklärten Gesellschaft. Nicht mal die faschistischen Schergen wurden nach 1949, dieser Gefahr ausgesetzt. Dieser Abschnitt des Grundgesetzes muss dem Herrn Professor bei seinem tiefgründigen Studium, über das Grundgesetz der Bundesrepublik leider entgangen sein.

Was würden wir tun, im Falle eines Deutschgeborenen, der aus rassistischen Gründen mordet? Wie hätten wir ihn bestraft? Warum kommt niemand – auch nicht der Professor – auf den Gedanken, diese Neonazis auszubürgern und in die Wüste zu schicken?

Es ist aber auch durchaus möglich, dass einige Leute der Meinung sind, das es zwei Klassen der Staatsbürgerschaft gibt. Die erste Klasse wäre der „deutschgeborene Staatsbürger“ also nach dem Blutrecht. Und die zweite Klasse wäre die, niedere, „erworbene“ Staatsbürgerschaft, die des Nichtdeutschgeborenen.

Nein, meine Herren, Staatbürgerschaft ist kein Aufenthaltsstatus, sondern ein, durch das Selbstverständnis der Gesellschaft, geschützter Vertrag zwischen einem Individuum und dem Staat. Wenn wir bereit sind, diesen Vertrag wegen ein paar Feinden der Demokratie und einigen Mörder, zu demontieren dann: GUTE NACHT DEUTSCHLAND. Stellen Sie sich mal bitte vor, die Anwendung eines Gesetzes hängt von der Herkunft,  der Rasse oder dem Glauben der Betroffenen ab. 1933 lässt grüßen. Wollen Sie das wirklich so haben? Wissen sie, wo von Sie da reden, Herr Professor? Und Sie, zuständiger Journalist einer freien, durch den Staat geschützten Presse, wollen Sie wirklich solch massive Attacken gegen das Grundgesetz  – egal aus welchen Gründen auch immer – wahrhaftig unkommentiert lassen? Oder ist hier diese seltsame Toleranz im Spiel, die Ihnen ins Ohr flüstert: er ist ja bloß ein Türke (auch wenn er ein Professor ist), der Unsinn redet?

Ich bin trotz des versauten Samstagnachmittags, der Redaktion von „DIE WELT“ wegen der Veröffentlichung dieses Interviews und natürlich dem Herrn Professor, zu Dank verpflichtet. Sie zeigen uns (vor allem uns, den türkischstämmigen Bundesbürgern) auf welchem Niveau  wir uns in Sachen Rechtstaat befinden. Nämlich auf Stammtischniveau!

Nachtrag:
Ich habe in den folgenden Tagen auf empörte Leserbriefe der besorgten Bürger (Intellektuelle?) und einen Artikel zu Gunsten des Grundgesetzes von Seiten der Redaktion gewartet. Vergeblich. Ich mache mir Sorgen.

April 2006

Quellennachweis: Die Welt, Samstag, 21.4.2006,  Seite 4 „Eine Schande für alle Türken“

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